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Anita Franz

  • Vernissage
    Anita Franz vor ihrem Bild
    Anita Franz vor ihrem Bild

    Anita Franz und die Leinwand, die nicht aufgeben wollte

    Anita Franz verwandelt Bewegung, Brüche und die Kraft des Wassers in vielschichtige Bildräume.

    Anita Franz hat lange ausprobiert, verworfen und neu begonnen. In der Werkserie „OCEAN“ findet ihre künstlerische Vielfalt nun eine Richtung: Wasser wird zum Bild für Wandel, Ruhe, Bedrohung und die Fähigkeit, dem eigenen Weg zu vertrauen.

    Die Leinwand, die Widerstand leistete

    Fünfundzwanzig Jahre hatte die rohe Leinwand bei einer Freundin gestanden, bevor sie 2024 zu Anita Franz kam. Im Sommer darauf begann die Künstlerin daran zu arbeiten – und kam nicht weiter. Sie stellte das Bild beiseite, versuchte es erneut, verwarf wieder. Erst im März 2026, mitten in der Arbeit an ihrer Serie „OCEAN“, griff sie zum Spachtel und kratzte fast alles herunter. Unter den misslungenen Schichten zeigte sich plötzlich der Grund für ein neues Werk: „MIRROR OF THE SOUL“.

    Diese Entstehungsgeschichte passt zu einer Künstlerin, die das Verwerfen nicht als Gegenstück zum Schaffen begreift, sondern als Teil davon. Franz, 1965 in Gifhorn geboren und aufgewachsen, blickt auf 17 Wohnortwechsel zurück. Auch ihre Malerei kennt solche Bewegungen. Sie war immer da, ruhte jedoch über längere Zeit. Nach einer harten persönlichen Kehrtwende entdeckte Franz die Kunst 2020 neu. Sie wollte vieles zugleich erproben: Formate, Materialien, Techniken. 2021 folgten zwei Ausstellungen; seitdem hat sie mehr als 35 Werke verkauft.

    Wasser als innerer Kompass

    Acryl, Spachtel, Epoxidharz und Holz gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Zeichnungen und Skulpturen. Doch aus der Vielfalt schält sich ein Element heraus, das Franz seit ihrer Kindheit begleitet: Wasser. Lange bevor es zum Zentrum ihrer Malerei wurde, hielt sie mehrere Aquarien und züchtete über 15 Jahre Kois in vier technisch ausgeklügelten Teichen.

    Was sie am Wasser interessiert, ist seine Widersprüchlichkeit. Es kann tragen und bedrohen, beruhigen und aufwühlen, Oberfläche und Tiefe zugleich sein. Diese Gegensätze bestimmen auch die Bilder der Serie „OCEAN“. Bei fließenden Techniken laufen Farben ineinander, suchen eigene Wege und werden zugleich von der Künstlerin gelenkt. Schichten und Strukturen erzeugen Tiefe. Kontrolle und Loslassen bleiben dabei in einer produktiven Spannung.

    Auch visuell hält Franz das Meer nicht auf eine Stimmung fest. Die blauweiße Wucht von „WAVE“ steht neben dem gelben Licht, das in „FREEDOM“ über einen türkisfarbenen Horizont bricht. „PEACE OF MIND“ erscheint dagegen beinahe entfarbt: Grau, Weiß und blasses Blau formen eine ruhige, offene Weite. Die Bilder bewegen sich zwischen gegenständlicher Erinnerung und abstraktem Farbraum. Entscheidend ist nicht die geografische Genauigkeit einer Küste, sondern der Zustand, den Wasser verkörpern kann.

    Manche Werke halten konkrete Erfahrungen fest. „WAVE“ entstand 2023 nach einem privaten Umbruch und zwei Wohnortwechseln; die Welle wurde für Franz zum Ausdruck von Kraft und Vorwärtsbewegung. „Norderney“, im selben Jahr nach einem Inselurlaub gemalt, bewahrt eine persönlich so wichtige Erinnerung, dass das Bild unverkäuflich bleibt. In „Starshower“ erkennt Franz Sturm, Blitze und Lichtregen – eine aufgewühlte See, die sie selbst beunruhigt.

    Andere Arbeiten zeigen, wie langsam sich die Bedeutung eines Bildes öffnen kann. „Waterline“ hing fast fünf Jahre in einer Richtung, die Franz später als falsch erkannte. Der grünliche Grund von „Golden Hour“ entstand bereits im Sommer 2024, vollendet wurde das Werk erst im Oktober 2025. Und für die Auftragsarbeit „Sundowner“ baute sie über Wochen Schicht um Schicht auf, damit das Bild seinen Platz unter einem Vordach vor einem Pool finden konnte. Zeit ist in dieser Kunst nicht nur ein Thema, sondern Teil ihrer Herstellung.

    Vom Experiment zur Werkserie

    Die frühen Jahre nach 2020 waren von einem beinahe ungebremsten Ausprobieren geprägt. Inzwischen hat Franz diese Energie gebündelt. „OCEAN“, im Februar 2026 begonnen, verbindet einzelne Bilder zu einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit Freiheit, Erneuerung, Seelenfrieden und Gegenwart. „INFINITY“, „TIMELESS“, „FREEDOM“, „ETERNITY“ und „PEACE OF MIND“ benennen diese innere Bewegung schon in ihren Titeln.

    Dabei will Franz keine Bilder am Fließband produzieren. Jedes Werk soll ein Einzelstück bleiben. Kunst versteht sie als Katalysator, der Gefühlen, Wünschen und Zielen Sichtbarkeit gibt – auch dem, was zunächst verborgen bleibt. In einer von Algorithmen und Regeln geprägten Welt setzt sie auf den unkonventionellen Blick.

    Genau dort liegt der Schlüssel für die Begegnung mit ihren Arbeiten in der GlowArt Gallery: Diese Bilder verlangen keine kunsthistorischen Vorkenntnisse, wohl aber Zeit. Wer vor ihnen stehen bleibt, kann verfolgen, wie aus Unruhe Struktur und aus vielen Richtungen eine Strömung wird. Anita Franz malt Wasser nicht als Kulisse. Sie nutzt es als bewegliche Form für die Erfahrung, dass ein Weg nicht gerade verlaufen muss, um zu tragen.

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