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Tatjana Hartmann

  • Vernissage

    Tatjana Hartmann Aka Thana: Bilder zwischen Kraft und Stille

    In ihren Mixed-Media-Arbeiten verbindet Thana Porträts, Tiere, Naturformen und ornamentale Geometrien mit leuchtenden Farben sowie goldenen und silbernen Schichten. So entstehen Bilder, die zwischen stiller Konzentration und kraftvoller Präsenz schweben.

    Viele Gesichter in Thanas Bildern haben die Augen geschlossen – und wirken doch hellwach. Die Mixed-Media-Künstlerin baut aus Farbe, Struktur und metallischem Glanz Bildräume, in denen Ruhe keine Abwesenheit ist, sondern eine eigene Form von Energie.

    Wenn geschlossene Augen den Raum öffnen

    Die Augen sind geschlossen. Doch dieses Bild schläft nicht. Ein Gesicht in tiefem Blau schiebt sich aus der Fläche, auf der Haut kreisen feine Strukturen, daneben treffen silberne Formen auf ein dichtes geometrisches Muster. Die Lippen bleiben ruhig, die Farben sind es nicht. Zwischen Türkis, Schwarz und metallischem Licht entsteht jene Spannung, die viele Arbeiten von Thana trägt: nach außen starke Präsenz, nach innen konzentrierte Stille.

    Thana tritt als Mixed-Media-Künstlerin auf. Ihr Ausgangspunkt ist weniger eine kunsttheoretische Behauptung als ein menschliches Bedürfnis. „Ich erschaffe Kunst für Menschen, die sich nach Ruhe, Verbindung und innerer Kraft sehnen“, schreibt sie über ihre Arbeit. Dieser Satz liest sich wie ein Schlüssel zu den Bildern. Ihre Figuren drängen sich nicht auf, obwohl sie oft groß und frontal erscheinen. Sie halten inne. Manche schließen die Augen, andere blicken dem Publikum direkt entgegen. Immer bleibt das Gesicht der Ort, an dem sich die Bewegung des Bildes sammelt.

    Wenn Ruhe eine Oberfläche bekommt

    Diese Wirkung entsteht aus einem betont materiellen Prozess. Thana arbeitet mit Mixed-Media-Techniken und Schichtaufbauten, setzt Blattgold und Blattsilber, Strukturmaterialien und ausgewählte Naturmaterialien ein. Die Oberfläche ist dabei kein neutraler Untergrund. Sie wird zur zweiten Erzählebene: rau oder reliefartig, von Spuren durchzogen, stellenweise glänzend, dann wieder matt und erdig.

    Auf den Fotografien lässt sich verfolgen, wie Licht an diesen Schichten hängen bleibt. Gold liegt nicht bloß als Schmuck auf Haut, Federn oder Blättern; es unterbricht die Farbe, markiert Konturen und verändert je nach Blickwinkel seine Intensität. Silber kühlt die Kompositionen ab, während Blau- und Türkistöne Weite schaffen. In anderen Arbeiten stoßen warme Braun-, Ocker- und Rosatöne auf dunkle Partien. Gerade der Wechsel aus Licht, Textur und Kontrast verleiht den Bildern jene Tiefe und Lebendigkeit, die Thana selbst als wesentlich beschreibt.

    Das Material bremst den schnellen Blick. Aus der Entfernung sind Gesicht, Tier oder Blüte sofort erkennbar; aus der Nähe zerfällt die Eindeutigkeit in Schichtungen, Ornamente und kleine Unregelmäßigkeiten. Man schaut noch einmal hin – und entdeckt, dass die Ruhe dieser Bilder aus sehr viel Bewegung gebaut ist.

    Zwischen Mensch, Natur und Symbol

    Ihre aktuelle Werkserie bezeichnet Thana als Hommage an die Schönheit Afrikas, an Farben, Vielfalt und kraftvolle Ausstrahlung. Sie nennt die Ausdrucksstärke der Menschen, die Verbundenheit mit der Natur und kulturelle Tiefe als Quellen ihrer Faszination. In den vorgelegten Arbeiten begegnen dem Publikum würdevolle Frauenfiguren, ein Elefant und ein Tiger; Gold- und Silbertöne verbinden Haut, Fell, Schmuck und Hintergrund zu dichten Kompositionen.

    Das weitere Bildmaterial öffnet den Motivkreis noch einmal. Dort erscheinen Buddha-Darstellungen, Blüten und Schmetterlinge, eine geflügelte Form, kreisförmige Ornamente und geometrische Zeichen. Mensch und Natur stehen dabei selten getrennt nebeneinander. Blätter wachsen in Bildräume hinein, Tiere tragen ornamentale Akzente, Gesichter werden von floralen oder symmetrischen Formen begleitet. Die Motive wirken wie Träger einer gemeinsamen Idee: Verbundenheit wird nicht erklärt, sondern aus wiederkehrenden Formen, Farben und Materialien zusammengesetzt.

    Dabei ist Thanas Bildsprache zugänglich. Ihre Arbeiten verlangen kein kunsthistorisches Vorwissen. Ein ruhiges Gesicht, die Schwere eines Elefantenkopfes, die Wachheit eines Tigers oder das Aufbrechen einer Blüte geben einen unmittelbaren Einstieg. Erst danach zeigen sich die feineren Gegensätze: Stille und Energie, Figur und Ornament, Naturmotiv und geometrische Ordnung, dunkler Grund und aufflammendes Metall.

    Von Göttingen in internationale Ausstellungskontexte

    Thanas biografische Angaben erzählen bislang vor allem von einer wachsenden öffentlichen Präsenz. Ihre Ausstellungschronik setzt 2025 mit Stationen bei der VHS Göttingen und der GDA Göttingen ein; hinzu kommen die Swiss Art Expo in Zürich und „Family of Benefits“. Für 2026 nennt sie unter anderem Olympic Art in Mailand, die Art Expo Hannover, das Museum Art Center in China, Casa del Arte auf Mallorca und erneut die Swiss Art Expo in Zürich.

    Diese Ortswechsel passen zu einer Kunst, die mit leicht lesbaren Bildern beginnt und ihre Wirkung aus dem Zusammenspiel vieler Details gewinnt. Zugleich bleibt das Zentrum erstaunlich konstant. Ob Mensch, Tier oder symbolische Form: Thana sucht nach einer Bildsprache für innere Sammlung und für die Verbindung von Mensch, Natur und Kultur.

    Ein Raum für den langsamen Blick

    In der GlowArt Gallery lässt sich diese Arbeitsweise vom 15. August bis zum 26. September 2026 im Original erleben. Gerade bei Thanas reliefartigen Oberflächen ist das entscheidend: Fotografien zeigen Motive und Farben, aber erst vor dem Werk wird sichtbar, wie Gold, Silber und Struktur auf wechselndes Licht reagieren. Die Vernissage beginnt am 15. August um 16 Uhr. Bei der Midissage am 12. September von 15 bis 18 Uhr bietet sich eine weitere Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen.

    Vielleicht liegt die besondere Stärke dieser Bilder tatsächlich in ihren geschlossenen Augen. Sie wenden sich nicht ab. Sie verlangsamen den Blick – und öffnen damit einen Raum, in dem aus Oberfläche Nähe und aus Stille Kraft werden kann.

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