Die Galerie ist aktuell geschlossen

Die Galerie hat Dienstags von 14:00 bis 18:00 geöffnet
Die Galerie hat Mittwochs von 14:00 bis 18:00 geöffnet
Die Galerie hat Donnerstags von 14:00 bis 18:00 geöffnet
Die Galerie hat Freitags von 14:00 bis 18:00 geöffnet
Die Galerie hat Samstags von 14:00 bis 18:00 geöffnet

Die Galerie ist aktuell geschlossen

Vivien Kunte

  • Vernissage

    Was sich nicht glätten lässt

    Vivien Kunte verbindet abstrakte Malerei, Zeichnung und Naturmaterialien zu einer sehr persönlichen Sprache.

    In den Arbeiten von Vivien Kunte treffen raue Acrylflächen auf Blüten, Rinde, Erde und feinere zeichnerische Spuren. Ihre Kunst erzählt von belastenden Erfahrungen, ohne sie auszustellen – und lässt Raum für die Wahrnehmung der Betrachterinnen und Betrachter.

    Was sich nicht glätten lässt

    Eine Leinwand muss bei Vivien Kunte nicht glatt bleiben. Sie darf Widerstand leisten, Spuren bewahren und Stellen zeigen, an denen etwas aufbricht. Acrylfarbe trifft auf Blüten, Rinde, Blätter oder Erde; grobe Bewegungen mit dem Spachtel stehen neben der unmittelbaren Berührung mit Ölkreide. Was zunächst rau erscheint, kann im nächsten Moment überraschend still werden. In dieser Spannung liegt der Kern ihrer künstlerischen Handschrift.

    Farbe als Sprache ohne Urteil

    Vivien Kunte, 1968 in Düsseldorf geboren, fand früh zum Zeichnen und zum Aquarell. Ihre Arbeiten fielen bereits in der Kindheit in ihrem Umfeld auf. Später wandte sie sich zunehmend der abstrakten Malerei zu, ohne die Zeichnung hinter sich zu lassen. Zeichnerische Elemente tauchen weiterhin in ihren Bildern auf und verbinden zwei unterschiedliche Arten des Sehens: die erkennbare Linie und die offene, vieldeutige Fläche.

    Ihre künstlerische Entwicklung verlief nicht losgelöst von ihrem Berufsleben. Kunte arbeitete zunächst im medizinischen Bereich und wechselte später in ein sozialpädagogisches Tätigkeitsfeld. Heute ist sie in der privaten Kinderbetreuung tätig und unterrichtet Kunst an einer Volkshochschule. In ihrem Atelier begleitet sie außerdem Kinder und Erwachsene beim Zeichnen, Drucken sowie beim Arbeiten mit Aquarell, Acryl und ungewöhnlichen Materialien. Damit verbindet ihr Alltag künstlerisches Schaffen mit der Vermittlung kreativer Fähigkeiten.

    Impulse erhielt Kunte durch gemeinsames Arbeiten mit Kunstschaffenden aus Düsseldorf und der Umgebung, durch einen Zeichenkurs und ein Arbeitswochenende bei Andrea Focks. Auch ihr Onkel Tomas Ritter gab ihr Anregungen. Entscheidend wurde jedoch das eigene Experiment: das wiederholte Prüfen von Material, Bewegung und Wirkung, bis daraus Schritt für Schritt eine persönliche Bildsprache entstand.

    Als das Leben die Oberfläche aufriss

    Hinter dieser Bildsprache stehen Erfahrungen, die sich nicht einfach erzählen lassen. Die Jahre 2019 und 2020 waren für Kunte von erheblichen emotionalen Belastungen geprägt. 2019 lebte sie noch mit ihrem früheren Ehemann zusammen; im Dezember desselben Jahres zog er aus. 2020 wurde ihr nach eigener Darstellung der Kontakt zu ihrem Kind durch dessen Vater untersagt. Im Sommer starb ihr Vater, um den sie sich intensiv gekümmert hatte.

    Kunte überträgt solche Erlebnisse nicht als direkt lesbare Szenen auf die Leinwand. Ihre Arbeiten spiegeln Gefühle, Gedanken, Emotionen und Ängste bewusst auf indirekte Weise. Sie sind keine gemalte Chronik, in der jedem Zeichen eine eindeutige biografische Bedeutung zugewiesen werden könnte. Persönliche Erfahrung wird in Oberflächen, Verdichtungen und Kontrasten spürbar, ohne vollständig offengelegt zu werden.

    „Malerei ist mein Weg, meine Geschichte zu erzählen – ohne Worte, ohne Wertung“, sagt Kunte. Dieser Satz beschreibt sowohl den persönlichen Ursprung ihrer Arbeit als auch ihre Haltung. Das Bild soll Erlebtes nicht nachträglich ordnen oder beurteilen. Es hält aus, was gleichzeitig vorhanden sein kann: Wut und Ruhe, Angst und Konzentration, Verletzlichkeit und Widerstand.

    Zwischen Spachtel und Berührung

    Für den Ausdruck von Wut und Ängsten arbeitet Kunte grob mit dem Spachtel. Das Werkzeug zieht, schiebt und verdichtet die Farbe; seine Spuren bleiben sichtbar. Naturmaterialien wie Blüten, Rinde, Blätter und Erde werden Teil der Malerei und erweitern die Oberfläche über die reine Farbwirkung hinaus. Kunte verwendet Acrylfarbe, weil sie sich gut mit diesen Materialien verbinden lässt und für sie zudem den Vorteil eines vergleichsweise neutralen Geruchs besitzt.

    Eine andere Arbeitsweise eröffnet ihr die Ölkreide. Hier ist die Hand unmittelbar am Entstehungsprozess beteiligt. Kunte beschreibt dieses sensitive Arbeiten als beruhigend: Es ermöglicht ihr, anzukommen und Zeit bei und für sich selbst zu verbringen. Den unterschiedlichen Materialien entsprechen damit verschiedene innere Bewegungen. Der Spachtel gibt Druck und Unruhe eine Form; die Arbeit mit den Händen schafft Nähe und Sammlung.

    Dass beide Verfahren zu ihrem Werk gehören, ist kein Widerspruch, der aufgelöst werden müsste. Gerade die Verbindung von kraftvoller Geste und sensibler Berührung zeigt, wie unterschiedlich ein Gefühl auftreten kann. Ein Bild kann aufgewühlt sein, ohne laut zu werden. Ein anderes kann beruhigen, ohne das Schwere auszublenden.

    Entdecken statt entschlüsseln

    Kuntes Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und gegenständlichen Anklängen. Sie entwickeln sich während des Malens und wachsen mit dem Prozess. Diese Offenheit setzt sich in der Betrachtung fort: Ihre Bilder laden dazu ein, Einzelheiten zu entdecken, statt eine vorgegebene Botschaft abzulesen. Was jemand in einer Linie, einer aufgerauten Fläche oder einem eingeschlossenen Naturmaterial erkennt, muss nicht mit der Wahrnehmung eines anderen Menschen übereinstimmen.

    Auch öffentlich hat Kunte diesen Weg über Jahre verfolgt. Sie beteiligte sich an Gemeinschaftsarbeiten mit Künstlerinnen und Künstlern im Raum Düsseldorf und war bei den „Offenen Ateliers“ der Schaumburger Landschaft sowie mehrfach bei der Kunstspur Wennigsen vertreten. Solche Stationen markieren eine Entwicklung, die nicht auf einen einzelnen Stilwechsel oder eine bestimmte Begegnung zurückzuführen ist. Ihre Handschrift entstand aus dem fortgesetzten Arbeiten selbst.

    Darin liegt eine besondere Eigenschaft ihrer Kunst: Sie macht persönliche Geschichte sichtbar, ohne sie auszustellen. Vivien Kunte überlässt der Farbe, dem Material und der Bewegung, was sich in Worten zu schnell festlegen würde. Ihre Bilder schweigen nicht. Sie sprechen nur anders – in rauen Kanten, ruhigen Berührungen und in den Spuren dessen, was sich nicht restlos glätten lässt.

    Kunstliebhaber?

    Dann ist unser Newsletter das richtige für dich!

    Schade, dass du die Seite schon verlässt!

    Falls du aktuell nichts gefunden hast, was dich interessiert, du keine Zeit hast uns zu besuchen, aber trotzdem nichts verpassen möchtest, dann melde dich gerne bei unserem gratis Newsletter an.