Neue Studien zeigen, wie eng problematische Internetnutzung, Stressempfinden und Schlaf zusammenhängen können. Weshalb nicht das Smartphone allein das Problem ist – und warum es sich lohnt, automatische Gewohnheiten und persönliche Warnsignale früher zu erkennen.**
Nur kurz eine Nachricht beantworten, einmal durch Instagram scrollen oder noch schnell die Nachrichtenlage prüfen: Gerade nach einem anstrengenden Tag greifen viele Menschen zum Smartphone, weil sie Ablenkung und Entlastung suchen. Doch aus der kurzen Pause werden leicht 20 oder 30 Minuten. Der Kopf kommt trotzdem nicht zur Ruhe.
Das Gefühl ist weit verbreitet. Nach Angaben des staatlichen Gesundheitsportals gesund.bund.de gelingt es vier von zehn Beschäftigten häufig nicht, in ihrer Freizeit von der Arbeit abzuschalten. Gleichzeitig rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Rolle Smartphones, soziale Netzwerke und andere Onlineangebote in diesem Spannungsfeld spielen.
Aktuelle Studien aus Deutschland liefern dazu neue Hinweise. Sie zeigen aber auch: Nicht jede lange Bildschirmzeit ist automatisch schädlich und nicht jede Social-Media-Nutzung führt zu Stress. Entscheidend sind der persönliche Umgang, wiederkehrende Nutzungsmuster und die Frage, ob andere wichtige Lebensbereiche und echte Erholungszeiten verdrängt werden.
Das Wichtigste in Kürze
* Digitaler Stress ist keine medizinische Diagnose. Der Begriff beschreibt Belastungen, die unter anderem durch ständige Erreichbarkeit, Informationsfülle, Unterbrechungen oder schwer kontrollierbare Nutzungsgewohnheiten entstehen können.
* Eine neue deutsche Studie mit 900 Erwachsenen verbindet stärker ausgeprägte problematische Internetnutzung mit höherem Stress, schlechterer Stimmung und einer häufigeren Vernachlässigung anderer Tätigkeiten.
* Zwischenergebnisse einer weiteren Studie zeigen: Junge Menschen, die ihre Social-Media-Zeit vier Wochen lang reduzierten, berichteten anschließend über weniger wahrgenommenen Stress und ein höheres Wohlbefinden.
* Ein vollständiger Digital Detox ist nicht für jeden notwendig. Oft beginnt Veränderung damit, persönliche Auslöser und automatische Reaktionen überhaupt wahrzunehmen.
Was ist digitaler Stress?
Digitaler Stress entsteht nicht allein dadurch, dass Menschen ein Smartphone benutzen oder viel Zeit im Internet verbringen. Belastend kann es werden, wenn Nachrichten, Benachrichtigungen und die Erwartung ständiger Erreichbarkeit kaum noch ungestörte Phasen zulassen. Auch der innere Impuls, immer wieder nach dem Handy zu greifen, kann verhindern, dass aus einer Arbeitspause tatsächlich Erholung wird.
Stress selbst ist zunächst eine natürliche Reaktion des Körpers auf Anforderungen. Kurzzeitig kann er dabei helfen, konzentriert und leistungsfähig zu bleiben. Wird Anspannung jedoch zum Dauerzustand, kann sie Körper und Psyche belasten. Das Bundesgesundheitsportal nennt unter anderem Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und das Gefühl ständiger Überforderung als mögliche Anzeichen.
Dabei reagiert nicht jeder Mensch gleich. Dieselbe Anzahl an Nachrichten, Aufgaben oder Terminen kann von einer Person als gut zu bewältigen und von einer anderen als starke Belastung erlebt werden. Neben den äußeren Anforderungen spielen die persönliche Bewertung, vorhandene Ressourcen und die jeweilige Lebenssituation eine wichtige Rolle.
Neue Studie: Der Impuls zum Scrollen ist ein entscheidender Faktor
Am 29. Juli 2026 veröffentlichte das Fachjournal PLOS One eine Studie der Universität Duisburg-Essen zur problematischen Nutzung von Onlineangeboten. Untersucht wurden 900 Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren, die soziale Netzwerke, Online-Gaming, Online-Shopping oder pornografische Angebote nutzten. Die Stichprobe wurde gezielt nach unterschiedlichen Ausprägungen der Internetnutzung zusammengestellt und ist deshalb nicht als repräsentative Erhebung zur gesamten Bevölkerung zu verstehen.
Über einen Zeitraum von 14 Tagen machten die Teilnehmenden täglich Angaben zu ihrer Stimmung, ihrem Stressempfinden, ihrer Internetnutzung und dazu, ob andere Aktivitäten dadurch vernachlässigt wurden. Menschen mit stärker ausgeprägter problematischer Nutzung berichteten im Durchschnitt über mehr Stress, eine schlechtere Stimmung, längere Nutzungszeiten und eine stärkere Vernachlässigung anderer Lebensbereiche.
Besonders interessant ist ein weiterer Befund: Der unmittelbar empfundene Drang, online zu gehen, erwies sich als besonders wichtiger Treiber der Nutzung. Freude und kurzfristige Erleichterung können das Verhalten zusätzlich verstärken.
Das bedeutet nicht, dass Internetnutzung grundsätzlich problematisch ist. Auch die Forschenden betonen, dass Onlineangebote Freude, Unterhaltung und Entlastung bringen können, solange dadurch nicht systematisch Schlaf, Bewegung, Beziehungen, Arbeit oder andere wichtige Bereiche zu kurz kommen.
[Zur Originalstudie im Fachjournal PLOS One](https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0352776)
Weniger Social Media, weniger Stress?
Eine zweite aktuelle Untersuchung richtet den Blick auf junge Menschen. An der bundesweiten Social-Media-Detox-Studie des Universitätsklinikums Ulm nahmen 131 Personen zwischen 16 und 29 Jahren teil, die vor Studienbeginn durchschnittlich mindestens vier Stunden täglich soziale Medien nutzten.
Eine Gruppe begrenzte ihre Social-Media-Nutzung vier Wochen lang auf höchstens eine Stunde pro Tag. Eine zweite Gruppe legte ein individuelles Limit fest, während eine Kontrollgruppe zunächst keine Vorgabe erhielt.
Nach den bisher veröffentlichten Zwischenergebnissen verbesserten sich das subjektive Wohlbefinden und die wahrgenommene Stressbelastung in den beiden Reduktionsgruppen. In der Gruppe mit dem Ein-Stunden-Limit wurden zudem seltener Schlafprobleme sowie Angst- und depressive Symptome angegeben.
Diese Ergebnisse sind interessant, müssen aber sorgfältig eingeordnet werden. Es handelt sich um Zwischenergebnisse einer noch laufenden Auswertung, die zunächst für junge Menschen mit einer zuvor hohen Social-Media-Nutzung gelten. Sie belegen nicht, dass weniger Social Media psychische Erkrankungen behandelt oder dass ein festes Zeitlimit für jeden Menschen gleichermaßen geeignet ist.
[Informationen zur Social-Media-Detox-Studie des Universitätsklinikums Ulm](https://www.uniklinik-ulm.de/aktuelles/detailansicht/weniger-social-media-mehr-wohlbefinden-ulmer-studie-zeigt-positive-effekte-einer-zeitweisen-reduktion.html)
Warum wir ausgerechnet bei Stress zum Smartphone greifen
Nach einem belastenden Gespräch, zwischen zwei Aufgaben oder abends auf dem Sofa verspricht das Smartphone eine schnell verfügbare Pause. Neue Bilder, Nachrichten oder Videos lenken die Aufmerksamkeit um und können kurzfristig Erleichterung schaffen.
Genau daraus kann ein Kreislauf entstehen:
1. Eine Situation wird als belastend erlebt.
2. Der Griff zum Smartphone verspricht Ablenkung oder Entlastung.
3. Die Onlineaktivität verschafft kurzfristig ein angenehmes Gefühl.
4. Die Nutzung dauert länger als beabsichtigt.
5. Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte oder unerledigte Aufgaben geraten unter Druck.
6. Die zusätzliche Belastung erhöht wiederum das Bedürfnis nach schneller Ablenkung.
Dieser Ablauf muss nicht bei jedem Menschen auftreten. Er verdeutlicht jedoch, weshalb reine Willenskraft oder ein pauschales Handyverbot häufig zu kurz greifen. Hilfreicher kann es sein, die Situationen zu erkennen, in denen der automatische Griff zum Bildschirm besonders wahrscheinlich wird.
Woran kann man digitalen Stress erkennen?
Einzelne Verhaltensweisen sind noch kein Beleg für eine problematische Nutzung. Aufmerksamkeit ist jedoch sinnvoll, wenn mehrere dieser Beobachtungen regelmäßig zusammenkommen:
* Das Smartphone wird auch ohne konkreten Anlass immer wieder entsperrt.
* Aus wenigen geplanten Minuten wird regelmäßig deutlich mehr Zeit.
* Benachrichtigungen lösen das Gefühl aus, sofort reagieren zu müssen.
* Das Abschalten nach Feierabend oder vor dem Schlafengehen fällt schwer.
* Schlaf, Bewegung, Gespräche oder andere erholsame Tätigkeiten werden wiederholt verschoben.
* Nach der Nutzung stellt sich keine Erholung ein, sondern eher Unruhe, Gereiztheit oder das Gefühl verlorener Zeit.
Solche Beobachtungen sind keine Selbstdiagnose. Sie können aber ein Anlass sein, die eigenen Gewohnheiten und die dahinterliegenden Belastungen genauer anzuschauen.
Was hilft gegen digitalen Stress im Alltag?
1. Auslöser beobachten statt sich zu verurteilen
Für einige Tage kann es hilfreich sein, kurz zu notieren, wann der Griff zum Handy besonders automatisch geschieht: nach Konflikten, bei Langeweile, unter Zeitdruck oder unmittelbar vor dem Schlafengehen. Dadurch werden Muster sichtbar, ohne die Nutzung pauschal als gut oder schlecht zu bewerten.
2. Übergänge bewusst gestalten
Gerade der Wechsel von Arbeit zu Freizeit braucht ein erkennbares Ende. Ein kurzer Spaziergang, Musik, einige bewusste Atemzüge oder das Umziehen nach der Arbeit können dem Körper signalisieren, dass ein anderer Teil des Tages beginnt.
3. Unterbrechungen reduzieren
Nicht jede App muss jederzeit Aufmerksamkeit verlangen. Unwichtige Benachrichtigungen lassen sich ausschalten. Das Smartphone kann während einer Mahlzeit, eines Gesprächs oder in der ersten halben Stunde nach dem Aufstehen außer Reichweite bleiben.
4. Nicht nur verzichten, sondern ersetzen
Eine Gewohnheit lässt sich leichter verändern, wenn an ihre Stelle etwas Konkretes tritt. Wer das Handy zur kurzfristigen Entlastung nutzt, kann ausprobieren, was ebenfalls eine kleine Pause ermöglicht: Bewegung, ein Gespräch, Musik, ein paar Seiten in einem Buch oder ein bewusster Moment ohne neuen Input.
5. Die eigentliche Belastung ernst nehmen
Manchmal ist die Bildschirmzeit nicht die Ursache, sondern der sichtbare Umgang mit einer tieferliegenden Überforderung. Dann reicht es möglicherweise nicht, das Handy wegzulegen. Ebenso wichtig sind realistische Aufgaben, Unterstützung, klare Grenzen und die Frage, welche Anforderungen überhaupt verändert werden können.
Weitere verlässliche Informationen über Stress, mögliche Anzeichen und Formen der Stressbewältigung bietet das [Gesundheitsportal des Bundes](https://gesund.bund.de/stress).
> **Veranstaltungshinweis in eigener Sache**
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> Dieser Beitrag erscheint auf der Website der GlowArt Gallery. Die Galerie ist zugleich Anbieterin und Veranstaltungsort des folgenden Angebots.
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> **Stressprävention in Laatzen: Wenn der Alltag nicht mehr auf Pause geht**
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> Am Donnerstag, 17. September 2026, findet von 18:00 bis 19:30 Uhr in der GlowArt Gallery im Leine-Center Laatzen eine kostenfreie Einführungsveranstaltung mit Marco Arndt, B.Sc. Psychologie, und Elena Grumann statt.
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> Im Mittelpunkt stehen die Entstehung von Stress, persönliche Auslöser und Reaktionsmuster, vorhandene Ressourcen sowie erste alltagstaugliche Übungen zu Atmung, Körperwahrnehmung und belastenden Gedanken.
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> Die Veranstaltung verspricht kein stressfreies Leben und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung oder Behandlung. Sie dient der allgemeinen Information und Prävention. Die Plätze sind tatsächlich begrenzt.
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> **Ort:** GlowArt Gallery, Albert-Schweitzer-Straße 10, 30880 Laatzen
> **Termin:** Donnerstag, 17. September 2026, 18:00–19:30 Uhr
> **Teilnahme:** kostenfrei
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> [Alle Informationen zum Stresspräventionskurs in Laatzen](https://glowart-gallery.com/veranstaltungen/stresspraevention-laatzen-17-september-2026/)
Weiterlesen bei CityGlow
Ständige Erreichbarkeit ist häufig nur ein Teil der Belastung. Der CityGlow-Beitrag [„Unsichtbar viel geleistet: Warum so viele Frauen heute an ihre emotionalen Grenzen geraten“](https://cityglow.de/frau-mental-health-emotionale-belastung/) beschäftigt sich mit Mental Load, Mehrfachrollen und persönlichen Grenzen. Der Beitrag ist bei CityGlow als „Anzeige“ gekennzeichnet.
Häufige Fragen zu digitalem Stress
Ist digitaler Stress eine Krankheit?
Nein. Digitaler Stress ist keine eigenständige medizinische Diagnose. Der Begriff beschreibt Belastungen, die im Zusammenhang mit digitaler Erreichbarkeit, Informationsfülle, Unterbrechungen oder schwer kontrollierbaren Nutzungsgewohnheiten entstehen können.
Kann weniger Social Media Stress reduzieren?
Aktuelle Zwischenergebnisse des Universitätsklinikums Ulm geben Hinweise darauf, dass eine zeitweise Reduzierung bei jungen Menschen mit zuvor hoher Nutzung das wahrgenommene Stressempfinden und Wohlbefinden verbessern kann. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeingültige Empfehlung für jede Person ableiten.
Muss man für einen Digital Detox vollständig auf das Smartphone verzichten?
Nein. Für viele Menschen können bereits klare Offlinezeiten, weniger Benachrichtigungen und bewusste Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit hilfreich sein. Entscheidend ist, ob die Nutzung wichtige Erholungszeiten oder andere Lebensbereiche verdrängt.
Wo findet der Stresspräventionskurs bei Hannover statt?
Die kostenfreie Einführungsveranstaltung findet am 17. September 2026 in der GlowArt Gallery im Leine-Center Laatzen bei Hannover statt. Die genaue Adresse lautet Albert-Schweitzer-Straße 10, 30880 Laatzen.
Wann sollte man professionelle Hilfe suchen?
Wer über längere Zeit stark belastet ist, unter anhaltender Erschöpfung oder Schlafproblemen leidet oder den Alltag nicht mehr gut bewältigen kann, sollte sich an eine hausärztliche oder psychotherapeutische Praxis beziehungsweise eine geeignete Beratungsstelle wenden. Ein Präventionskurs ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.
Fazit: Nicht das Smartphone allein entscheidet
Digitale Angebote gehören zum Alltag und können informieren, verbinden und unterhalten. Belastend wird ihre Nutzung vor allem dann, wenn automatische Gewohnheiten echte Erholung, Schlaf oder andere wichtige Lebensbereiche verdrängen.
Die aktuellen Studien liefern keinen Grund für pauschale Verbote. Sie machen vielmehr deutlich, wie wichtig ein bewusster Umgang mit Auslösern, Nutzungsmustern und persönlichen Belastungsgrenzen ist. Wer erkennt, in welchen Situationen das Smartphone zur schnellen Flucht aus dem Stress wird, gewinnt einen ersten Handlungsspielraum zurück.
